Abschlussbericht

Add comments

Wo habe ich mein Jahr in den USA verbracht?

 

– In einem Land, in dem sich alle meine Vorurteile bewahrheitet hatten, in dem die Weltwirtschaftskrise noch immer voll am Wirken ist, Menschen sich für Football interessieren und wenig für die Fußballweltmeisterschaft. Ein Land, in dem Freundlichkeit und Leistungsbereitschaft großgeschrieben wird  und Hilfsbereitschaft sowie soziale Kontakte im Vordergrund stehen.
– In einem Staat, in dem über die Hälfte der Bevölkerung schwarz ist, ich aber an jedem zweiten Tag jemand neuen treffe der deutsch ist oder schon mal in Deutschland war.
– In einer Region, in der man früh morgens um 10 Uhr die pralle Sonne bei 30 Grad genießen kann und es im ganzen Winter nur einen Tag lang geschneit hat.
– In einer Landschaft, die es wegen der Größe des Landes und der Verstreutheit der Bevölkerung unmöglich macht ein öffentliches Verkehrsnetz zu nutzen. Bus oder Bahn sind ein Fremdwort, jede noch so kleine Fahrt muss mit dem Auto zurückgelegt werden. Da aber genug Fläche zum Wohnen vorhanden ist kann man sich für ein paar Dollar ein Grundstück kaufen, das so groß ist wie ein kleiner Wald.
– In einer Kultur, die Menschen Bier aus braunen Tüten trinken lässt, in der selbst das Essen mit den Großeltern oder der Geburtstag einer Zweijährigen als große Party verkauft wird, die meisten Leute noch in die Kirche gehen und man sich immer sofort zehn mal entschuldigt wenn man jemandem auch nur für einen Bruchteil einer Sekunde die Sicht auf ein Einkaufsregal versperrt.

 

Leben in der Gastfamilie

 
Ein Jahr mit meinen Gasteltern Kris, David, und meinen Gastbrüdern Mark (23) und Sam (24) zu leben war noch nicht die große Herausforderung. Gute Gemeinschaft bestand an Events wie Thanksgiving oder Weihnachten. Ansonsten steht die Arbeit und der Fernseher im Mittelpunkt, so dass ich genügend Freiräume für mich hatte.
Da ich eine komplette Etage für mich alleine hatte konnte ich mir das Ganze nach meinen eigenen Wünschen einrichten und nutzen. Ich habe mich selbst um meinen eigenen Haushalt gekümmert, Sachen wie Einkaufen, Wäsche machen, Putzen und Kochen sind selbstverständlich und waren für mich auch notwendig zu verbessern.
Meine Gasteltern hab ich manchmal abends kurz gesehen oder am Wochenende. Ich hab mich prima mit allen verstanden, aber jeder geht doch seinen eigenen Interessen nach.

 1

College

Nachdem ich mir im August 2009 ein Auto gekauft hatte gings auch gleich los mit dem Studium am College. Ein Semester hab ich Business Kurse und Sportkurse besucht. War nicht sooo der Hit, da ich mir unter einem College mehr vorgestellt habe. Alle Kurse konnte ich mit der Bestnote abschließen. Ich hätte mir aber vom Campusleben ein größeres Angebot an Freizeitmöglichkeiten gewünscht. Außerdem ist das Studentenleben der Amerikaner viel stressiger als ich mir das vorgestellt habe. Durch Studiengebühren von 2.000-6.000 Dollar pro Semester muss man entweder reiche Eltern haben, ein Stipendium oder nebenbei arbeiten gehen. Und das machen die meisten Studenten auch nach dem Unterricht: Arbeiten.
Während dieser Zeit konnte ich es etwas ruhiger angehen lassen und bin zu Footballspielen und Autorennen gegangen, habe verschiedene Studentenclubs in der Nachbaruniverität in Auburn besucht und hab was mit Freunden unternommen.

 

Arbeitsphase

Mit meinen Jobs durfte ich leider erst im zweiten Halbjahr starten.
Nach langer Bewerbungsphase, die schon im Herbst angefangen hat wurde ich bei mehreren Stellen fündig. Eine Jobsuche mitten in der amerikanischen Wirtschaftskrise war für mich als Deutscher nicht einfach.
Angefangen habe ich im Januar im Einzelhandel: Bei einer viel beschäftigten Tankstelle habe ich im Kundenservice 32 Stunden die Woche gearbeitet.
Im Pizza Hut war ich für mehrere Monate als Koch tätig, ca. 10-15 Stunden die Woche.
Von Februar bis May habe ich in einem deutschen Restaurant bedient. Als Kellner sind die Trinkgelder (15-20%) weitaus besser wie in Deutschland. Der Job war für mich wie zugeschnitten und hat viel Spaß gemacht. Vor allem, weil man so viele Leute trifft die in Deutschland interessiert sind (oder sich eben für das Essen interessieren).
Seit April bin ich als Serviceberater bei Auburn Bank angestellt. Eine super Bank mit sehr netten Arbeitskolleginnen (alles Frauen in der Geschäftsstelle). Macht mir viel Spaß und ich bin überglücklich den Job gefunden zu haben. Lange hab ich darauf warten und dafür beten müssen.

Nicht nur eine Arbeitsstelle zu haben, sondern in verschiedenen Bereichen tätig sein zu können empfand ich als sehr abwechslungsreich. An jedem neuen Arbeitsplatz findet man neue Freunde, unterschiedliche Berufserfahrung, Herausforderungen und Spaß.

2a  

 

 

 

 

 

    

 

 

Reisen

Reisen ist teuer, teuer, teuer…
Für drei Wochen war mich meine Nela, meine Verlobte, besuchen. Zusammen mit ein paar Freunden sind wir nach Florida (zum Spring Break nach Panama City, in die Everglades, Miami Beach und ins Dinsnyworld nach Orlando) gegangen. Florida war wunderschön im Frühling, das Wetter war perfekt und wir haben eine Menge erlebt.
Außerdem werde ich mit ein paar Deutschen vom selben Austauschprogramm an die Westküste fliegen und von dort mit dem Auto San Francisco, LA, Las Vegas und den Grand Canyon erkunden.

 5

Freizeit und Freunde

Freunde finden ist nicht unbedingt einfach, da ich im Nirgendwo lebe. Mein Nachtleben ist wegen der langen Fahrt, dem Zeitunterschied und dem Fakt, dass ich noch Auto fahren muss gleich null.
Dafür habe ich gute Freunde in Studentenclubs, in der Kirche oder im Fitnessstudio gefunden.
In meiner Freizeit geh ich nach wie vor dreimal die Woche ins Fitness, schwimmen und derzeit zweimal die Woche in eine Pfingstgemeinde. Sehr cool dort und es gefällt mir.
Kontakte über Skype nach Deutschland nehmen auch einen Teil meiner Freizeit in Anspruch, der nicht zu unterschätzen ist.

6

 

Rueckblick, Aussicht

Bislang sind es also über 10 Monate, die ich schon weg bin. Mit jedem weiteren Tag wird mir deutlicher, wie sehr ich meine Zukünftige vermisse. Für jemanden der es gewohnt ist einen Partner zu haben ist es schrecklich, so lange getrennt zu bleiben. Um so mehr freue ich mich auf unsere Hochzeit und ein gemeinsames Leben, wo ich in Deutschland mein Studium im Herbst starten werde.

Innerhalb dieses Jahres bin ich also erwachsener und selbstständiger geworden, bin von Gott durch schwierige Zeiten getragen worden und habe unvergessliche Erfahrungen machen dürfen, habe gelernt was es heißt alleine zu leben, habe meine Joberfahrungen erweitern dürfen und die unterschiedlichsten Menschen und Charaktäre kennengelernt. Ich habe gelernt Jesus an erster Stelle meines Lebens zu stellen und geduldig auf Wunder zu warten und meine Lebensziele festzumachen, Prioritäten zu setzen und die Wichtigkeit von Freunden, Familie und meiner zukünftigen Frau zu schätzen.

89

Posted on Juni 11th 2010 in Abschlussbericht

One Response to “Abschlussbericht”

  1. mieke de boer Says:

    Its like you read my mind! You appear to know so much about this, like you wrote the book in it or something. I think that you can do with some pics to drive the message home a bit, but other than that, this is great blog. A fantastic read. I will definitely be back.

Leave a Reply