Freitags war ich auf meinem ersten American Footballspiel. Unsere Uni, die Lobos (Unimaskotchen = Wolf) gegen New Mexico State. Quasi das große Derbie des Jahres. Das schöne an American Football findet eigentlich vor dem Spiel statt und nennt sich Tailgating. Eine sehr nette Erfindung, wohl gut zu beschreiben als eine Mischung aus Vorglühen und Grillparty auf dem Parkplatz. Die Fans beider Mannschaft scharen sich also ab mittags um ihre Autos auf den Parkplätzen und essen und trinken bis das eigentlich Spiel losgeht. Einige kommen auch ausschließlich dazu und gehen dann gar nicht zu dem Spiel (kann ich gut verstehen :) ) sondern fahren dann wieder nach Hause.
Für die ganzen internationalen Studenten gab es ein eigenes Zelt wo wir uns trafen und es Burger und amerikanisches “Bier” gab. Und natürlich alkoholfreie Getränke in extra markierten Boxen für alle unter 21… Da ich mit dem Auto da war, hatte ich einen guten Grund um auf das “leckere” Bud light zu verzichten und stattdessen mit Cola vorlieb zu nehmen. Gegen halb 8 marschierten wir dann alle zum Stadion rüber. Schon ziemlich beeindruckend was die Uni für Stadien hat. Unisport ist in den USA generell höher angesehen als bei uns. Fast jeder hier läuft mit Uniklamotten rum und speziell gegen den “Erzfeind” NM State war die Stimmung riesig. Das Stadion liegt an einem großen Straßenzug umgeben von Parkplätzen, einem Mega Baseball Stadion und dem Neubau der Basketball Arena. Ich würde schätzen, das Football Stadion hat in etwa die Größe des alten Frankfurter Waldstadions, wobei die Haupttribüne schon einiges größer ist. Und das für eine Uni Footballteam… (kürzlich habe ich auch erfahren, dass der Football Coach der UNM eine Million US Dollar verdient, das unterstreicht die Größenordnung des Ganzen hier noch ein wenig)

Die Stimmung im Stadion war absolut genial. Die Leute sind hier richtig verbunden mit ihrer Uni und auch die Alumnis kommen immer noch zu den Spielen und feuern ihr Team an. Fast jeder hatte ein rotes T-Shirt mit dem Logo der UNM drauf oder wenigstens ein Baseballcap. Wir hatten zwar alle nummerierte Karten, aber die Platzordnung ist nicht so wichtig. Man kann sich eigentlich überall hinsetzen wenn was frei ist. Also suchten wir uns ein Plätzchen wo wir mit unserer Gruppe gemeinsam sitzen konnten. Nun brauchten wir erstmal einen, der uns die regeln erklärt. Ich war nur vorgewarnt worden, dass das Spiel ca. 3 Stunden geht. Komisch, sind doch nur 4x 15 Minuten Spielzeit und 20 Minuten Halbzeit pause. Das macht bei mir 1h20min. Jaaa, aber die Zeitrechnung des American Football ist eine andere. (ehrlich gesagt, das System hab ich immer noch nicht ganz raus) Hier gibt es ständig Pausen und Zeitstops und Auszeiten, so dass es kein Wunder ist das sich das ganze Drama über 3 Stunden hinzieht. Wenn man einen langen Spielzug hat, dann dauert das schonmal 20-25 Sekunden. Und dann wieder Pause, neu aufstellen und alles wieder von vorne. Ich habe noch niemals einen so langweiligen Sport in meinem Leben gesehen. Es passiert einfach nix spannendes. Erst im letzten Quarter wurde es richtig interessant, bis die UNM eineinhalb Minuten vor Schluss noch einen Touchdown bekommen hat und 3 Punkte zurücklag. Diese letzten eineinhalb Minuten Spielzeit (ca. 10 Minuten Echtzeit) waren geprägt vom Kampfgeist des Teams und der Zuschauer. Die Leute waren alle total aus dem Häuschen. Als ginge es um den Gewinn der Fußballweltmeisterschaft. Und fast hätte es auch zum Ausgleich gereicht, aber auch nur fast. So verlor die UNM ganz knapp, was aber laut Zeitzeugen der letzten Jahre wohl meistens der Fall ist. Wäre ja auch zu schön gewesen…

Allerdings gibt es auch 2 richtige schöne Dinge am American Football. Punkt 1: die Fans. Beide Fangruppen laufen gemeinsam herum, schreien sich mit ihren Fangesängen an (auch auf dem Klo wenn sie nebeneinander stehen) :) und feuern ihr Team an wie bekloppt. Aber keiner pöblelt die anderen irgendwie an und nach dem Spiel gehen alle zusammen durch die gleichen Ausgänge aus dem Stadion und und gratulieren sich zur guten (oder auch net so guten) Leistung. Das möchte ich mal bei Energy Cottbus gegen Dynamo Dresden sehen…

Und Punkt 2: die Cheerleader :) Das ist ne netter Erfindung. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass NM State auch da die Nase vorne hatte. Diese Jungs und Mädels (ja es gibt auch männliche Cheerleader) machen echt gut Stimmung. Und sie werden unterstützt von der Marchingband. Das ist eine Megabigband aus bestimmt 70-80 Leuten, die in den kurzen Unterbrechungen und in der Halbzeitpause spielen. Die sind echt nicht schlecht. Und die Halbzeitshow ist nicht zu verachten!

Ansonsten habe ich allerdings festgestellt, dass American Football nicht ganz so mein Ding ist. Zu viele Pausen und zu viel Show um Nix… Das einzige was noch schlimmer ist als American Football im Stadion: American Football im Fernsehen! Eine einzige Katasstrophe. Von den 3 Stunden Übertragung ist ca. 60 Minuten Werbung. In jeder dieser kurzen Unterbrechungen zwischen den einzelnen Spielzügen kommen ein bis zwei Spots. Das ist echt nicht auszuhalten…

Aber ich habe gehört Baseball ist noch schlimmer. Da werde ich mich aber auch noch selbst überzeugen gehen… Und das nächste große Homecoming Footballspiel der UNM werde ich wahrscheinlich trotzdem anschauen :) Einfach weils irgendwie dazugehört…

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